Vor Kurzem habe ich mit einer Geschäftsführerin über dieZukunft ihres Unternehmens gesprochen. Sie fand das Thema interessant, aber im Moment sei dafür weder Zeit noch Geld vorhanden. Die wirtschaftliche Situation sei schwierig, es gebe einfach dringendere Dinge zu tun.
Das konnte ich nachvollziehen. Trotzdem hat mich dasGespräch beschäftigt. Denn wann wäre eigentlich der richtige Zeitpunkt, sich mit der Zukunft zu beschäftigen?
Mir fiel auf, dass wir uns privat häufig ganz ähnlich verhalten. Wir haben Vorstellungen davon, wie wir irgendwann leben möchten, was wir noch erleben oder verändern wollen. Aber zunächst muss dieses oder jenes erledigt werden. Und irgendwann stellen wir fest, dass aus unseren Vorstellungen nie etwas geworden ist.
Das Merkwürdige daran finde ich, dass wir damit nicht nur unangenehme Entscheidungen aufschieben. Wir verschieben sogar die Beschäftigung mit einer Zukunft, auf die wir uns eigentlich freuen könnten.
In Unternehmen beobachte ich etwas Ähnliches. Wir diskutieren über Fachkräftemangel, KI, Kosten und Wettbewerbsfähigkeit. Wir überlegen, wie wir unsere heutigen Probleme lösen und unser bestehendes Geschäft möglichst gut in die Zukunft bringen.
Aber wie häufig fragen wir uns eigentlich, welches Unternehmen wir in zehn Jahren sein möchten?
Vielleicht brauchen unsere Kunden dann ganz andere Dinge. Vielleicht können wir mit unseren heutigen Fähigkeiten Probleme lösen, an die wir bisher überhaupt nicht gedacht haben. Vielleicht entdecken wir Möglichkeiten, die wir gar nicht sehen können, solange wir ausschließlich von unserem heutigen Geschäft ausgehen.
Ich beschäftige mich deshalb zunehmend damit, die Perspektive umzudrehen. Erst einmal überlegen, wie Menschen in Zukunft leben und arbeiten könnten, welche Bedürfnisse sie haben und welche Rolle wir dabei spielen wollen. Und anschließend schauen, was das für unsere heutigen Entscheidungen bedeutet.
Natürlich löst das keine akuten wirtschaftlichen Probleme. Aber es könnte verhindern, dass wir unsere gesamte Energie darauf verwenden, etwas zu erhalten, dessen Zukunft wir noch gar nicht hinterfragt haben.
Wir gestalten unsere Zukunft schließlich jeden Tag, mitj eder Entscheidung, die wir treffen. Auch dann, wenn wir uns keine Zeit nehmen, über sie nachzudenken.
Vielleicht sollten wir uns deshalb weniger fragen, wann wir endlich Zeit für die Zukunft haben. Sondern welche Möglichkeiten wirverpassen, solange wir sie uns nicht nehmen.